05 August, 2014

Zur geplanten Bhikkhuni-Ordination am 21. Juni 2015

In der Aneñja-Vihara  sollen insbesondere diejenigen gefördert und unterstützt werden, die dem Weg des Buddha als Bhikkhuni folgen wollen.
Es ist ein ermutigendes Zeichen und ein Grund zur Freude, dass es auch in Deutschland Frauen gibt, die dazu bereit und in der Lage sind. Samaneri Dhira hat sich schon seit längerem entschieden, dass sie zwei Jahre nach ihrer „Pabbajjā“, ihrer Samaneri-Ordination, sich dem Bhikkhuni-Sangha anschließen will.

Schon seit ein paar Monaten bin ich dabei, dieses Ereignis vorzubereiten, das eigentlich etwas ganz „Normales“ sein könnte und sein sollte. Doch da der Zweig der Bhikkhunis in der Theravada-Tradition sich noch in der Wiederbelebungsphase befindet, nachdem er ca. 1000 Jahre lang unterbrochen war, handelt es sich keineswegs um eine alltägliche Angelegenheit. Die ERSTE Bhikkhuni-Ordination dieser Art (d.h. in der Theravada-Tradition) in Deutschland - gleichzeitig auch in ganz Europa - kann nur durch Kooperation und durch die Unterstützung von vielen zustandekommen.

Was die zur Bhikkhuni-Ordination erforderlichen Sanghamitglieder betrifft, so kommen wir ohne Hilfe aus dem Ausland – z.T. aus weiter Ferne – derzeit nicht aus.
Wir brauchen einen Sangha von Bhikkhunis und einen von Bhikkhus. Der Buddha hat zwar erlaubt, dass in einem Land wie Deutschland – im Unterschied zu den Ländern, in denen seine Lehre wie in Indien schon weit verbreitet war - die Zahl der Sanghamitglieder („das Quorum“) halb so groß sein kann; doch auch dies bedeutet die Anwesenheit von mindestens fünf Bhikkhunis und fünf Bhikkhus. Darunter müssen auch Bhikkhunis und Bhikkhus sein, die eine hohe Zahl an Vassa und gründliche Kenntnis des Vinaya haben. Auch sollten wir ein paar zustätzliche Zeugen und Zeuginnen haben bzw. „Ersatz“ für die aktiven Rollen bei der Ordination, weil es immer Unwägbarkeiten im menschlichen Leben gibt.

Das Zusammentreffen von Bhikkhus und Bhikkhunis, die unter gewissen anderen Bedingungen – z.T. fernab von Deutschland oder Europa – praktizieren, ist eine große Bereicherung und Inspiration nicht nur für den sehr jungen Bhikkhuni-Sangha selbst, sondern möglicherweise auch für die Bhikkhus und ebenso für unsere Unterstützer und Unterstützerinnen, die nicht ordiniert sind.

In diesem Fall erwähne ich zuerst die Bhikkhunis, denn die Ordination im Bhikkhuni-Sangha muß der Bestätigung durch den Bhikkhu-Sangha vorausgehen. Für die Rollen der „Kammavaca-Acarinis“ habe ich zwei Bhikkhunis aus den USA eingeladen, da dort (in Kalifornien) in den letzten Jahren mehrere Bhikkhuni-Ordinationen stattgefunden haben. Beide Bhikkhunis kenne ich schon seit vielen Jahren, urspünglich aus meiner Zeit bei der Bhāvanā Society in West Virginia. Weiterhin werden zwei Bhikkhunis aus Sri Lanka kommen und zwei aus Australien (eine von ihnen kommt ursprünglich aus Österreich und spricht Deutsch). Eingeladen sind weiterhin zwei Bhikkhunis, die nicht in so grosser Ferne leben, aber deren Teilnahme noch nicht sicher ist.

Was den Bhikkhu-Sangha betrifft, so wird die Zahl derer, die aus weiter Entfernung  herbeifliegen müssen, geringer sein als bei den Bhikkhunis. Wir würden es als einen großen Segen begrüßen, wenn Bhante Gunaratana Mahāthera, der in den USA lebt und die geplante Bhikkhuni-Ordination sehr befürwortet, zum 21.6.15 bei uns sein könnte. Für die Rollen der Kammavaca-Achāriyas haben wir bereits Zusagen von weiteren Senior-Mönchen. Der Ehrwürdige Anālayo, ein deutscher Bhikkhu, hat zum Thema der Bhikkhuni-Ordination an der Universtät Hamburg Forschung betrieben und ist bereit, uns mit seiner Anwesenheit und seinem Wissen bei der ersten Bhikkhuni-Ordination in Deutschland auch praktisch zu unterstützen. Unter den Bhikkhus im deutschsprachigen Raum, die der Thai-Forest-Tradition angehören, gibt es ebenfalls Bereitschaft zur Unterstützung. 

Allein durch die Ordination, das Tragen der Robe, wird jedoch noch kein guter Mönch, keine gute Nonne geboren. Dazu ist auch eine gute Anleitung für neue Bhikkhus oder Bhikkhunis notwendig. Der Buddha hat das Nissaya-Verhältnis dafür verbindlich gemacht, d.h. ein Lehrer-Schüler-Verhältnis, eine Beziehung des gegenseitigen Sich-Unterstützens, das der neuen Bhikkhuni helfen soll, in ihre Rolle hineinzuwachsen und dem Ziel dieser Lebensform näherzukommen, d.h. um das zu erreichen, um dessenwillen sie „ausgezogen“ ist: Das Erwachen, die Befreiung von allem Dukkha. Was die Bhikkhunis betrifft, die dabei sind, in die Rolle als Lehrerinnen hineinzuwachsen, wäre ein Austausch über diese Anleitung, eine Art „Training“ für die neuen Bhikkhunis, sehr wünschenswert.

Bislang mußten Frauen, die Bhikkhuni in der Theravada- oder in der tibetischen Tradition werden wollten, ins Ausland fliegen, und erst seit etwa 20-30 Jahren konnten sie irgendwo in der Welt einen Ort finden, wo es möglich war, die volle Ordination zu erhalten. Dies bedeutete, dass sie zumeist keine Lehrerin hatten, wie es der Bhikkhuni-Patimokkha vorsieht. Im besten Fall gab es einen männlichen Lehrer, der sich ihrer annahm und sie unterstützte. Diese Situation ändert sich, wenn die Anwärterinnen in dem Kloster die volle Ordination erhalten können, in dem sie als Samaneri leben und in dem sie dann als Bhikkhuni weiterpraktizieren.

Auch die Beziehung zu den Unterstützern vor Ort ist sehr wichtig. Wenn diese die Möglichkeit erhalten, den Prozeß des „Fortziehens in die Hauslosigkeit“ sowie ihre Aufnahme in den Bhikkhuni-Sangha mitzuerleben, sind sie häufig dadurch inspiriert. Sie spüren – z.B. auch gerade durch die Anwesenheit von Familienangehörigen - was dies bedeutet, und oft entsteht in ihnen der Wunsch, diesen Menschen, der die Familie und vieles mehr aufgibt, zu unterstützen, und damit wächst auch die Wertschätzung für diese Lebensform. Damit stärken sie gleichzeitig ihren eigenen Prozeß des Loslassens, selbst wenn sie vielleicht in diesem Leben eine (insgeheim gehegte?) Aspiration, es dem Anwärter oder der Anwärterin gleichzutun, nicht mehr verwirklichen können. Möglicherweise werden bereits Weichen dafür gestellt.

Dass die Buddha-Lehre in einem Land wirklich verwurzelt werden kann, ist es unabdingbar, dass Söhne und Töchter des Landes in ihrem Heimatland ordinieren können. Nach wie vor ist es die Aufgabe des ordinierten Sangha, dafür zu sorgen, dass die Lehre so rein wie möglich erhalten und nicht mit weltlichen Aspekten vermischt wird.

Falls es Fragen zur geplanten Bhikkhuni-Ordination gibt, könnt Ihr Euch gerne an mich wenden. Oder nehmt bitte mit Elvira Keppler, der 1. Vorsitzenden des Trägervereins, Kontakt auf, vor allem was Angebote zur Unterstützung betrifft, auf die wir in jedem Fall angewiesen sind.

31.7.2014
Ayya Sucinta